Konzerthalle Olympia von Bruno Coquatrix, 60 Jahre Erfolg

Konzerthalle Olympia von Bruno Coquatrix, 60 Jahre Erfolg
Die Konzertstätte Olympia, eine legendäre Halle, wurde 1888 von Joseph Oller gegründet, dem Schöpfer des Pari Mutuel und des Moulin Rouge. Er stellte sein Holzkarussell im Innenhof eines Gebäudes an der Adresse 28, boulevard des Capucines nahe der Opéra Garnier auf. Einige Jahre später ließ der Polizeipräfekt das Karussell aus Brandschutzgründen schließen. Der Besitzer ließ daraufhin eine 2.000 Plätze fassende Konzerthalle errichten: das Olympia. Die erste Konzertstätte des Olympia Sie öffnete am 12. April 1893 ihre Pforten mit La Goulue (Kankandancerin), Loïe Fuller (amerikanische Tänzerin) und Fregoli (Kostümtransformator) als ersten Stars. Jahrmarktsattraktionen (Akrobaten, Schlangenmenschen u. a.) standen im Rampenlicht. Von 1911 bis 1914 inszenierte Jacques Charles dort Revuen für das Varieté, und Mistinguett sowie Yvonne Printemps traten hier auf. 1916 übernahmen Raphaël Beretta und Léon Volterra die Leitung. Erster Weltkrieg: Olympia in Stille Während des Ersten Weltkriegs blieb das ursprüngliche Olympia bis 1928 geschlossen. Paul Franck führte es von 1918 bis 1928 mit Attraktionen und zunehmend mehr Gesangsdarbietungen. Doch 1929 wurde es aufgrund der Wirtschaftskrise zum Kino unter dem Namen Théâtre Jacques-Haïck umfunktioniert. 1954 wurde es als Varietétheater mit moderner Tonanlage neu aufgebaut, und Bruno Coquatrix übernahm die Leitung. Das zweite Olympia im Jahr 1954 mit Bruno Coquatrix Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Halle zunächst von der deutschen, dann von der amerikanischen Armee besetzt. Bis 1954 herrschte das Kino vor. Jacques Haïk (Gründer des Kinos Le Grand Rex) baute das alte Varieté von Joseph Oller zu einer prächtigen Konzerthalle um. 1954 finanzierte Sato (Mitglied der „Gruppe Jacques Haïk“, Besitzer des Olympia) ein modernes Soundsystem und engagierte Bruno Coquatrix als Direktor. Das neue Olympia öffnete am 5. Februar 1954 seine Türen. Es war ein riesiger Erfolg. Lucienne Delyle betrat die Bühne, begleitet vom Orchester von Aimé Barelli. Gilbert Bécaud gab hier sein Debüt, gefolgt von Barbara, Georges Brassens, Brel, Ferré, Piaf … und internationalen Künstlern wie den Beatles und den Rolling Stones. Dalida debütierte 1956 im Olympia. Gilbert Bécaud präsentierte hier 1961 *Et maintenant*. Doch im selben Jahr stand das Olympia kurz vor der Pleite – gerettet durch den Auftritt der schwer kranken Édith Piaf (*Non, je ne regrette rien*, *Mon Dieu*, *Les Flonflons du bal*), die drei Monate lang blieb. Nach *Jour de fête* von Jacques Tati (eine Wiederholung von Szenen seines ersten Films mit Akrobatik und Live-Sketchen) übernahm Johnny Hallyday die Führung. Olympia und die Nouvelle Vague Die Begeisterung für Johnny Hallyday war so groß, dass neue Sitze bestellt werden mussten, die von den Zuschauern während der Vorstellungen kaputt gemacht wurden. Dann sang Jacques Brel *Les Bourgeois*, *Madeleine*, *Les Paumés du petit matin* und *Ne me quitte pas*. Ende 1961 begrüßte die Halle die ersten Auftritte von Sylvie Vartan, die später in größeren Sälen auftrat, bevor sie 1996, 1999, 2009 und 2010 zurückkehrte… Zwischen 1961 und 1963 fanden Rock- und Twist-Shows statt. 1979, nach dem Tod von Bruno Coquatrix, übernahm sein Neffe Jean-Michel Boris die Leitung (bis 2001). Das Ende der Ära Coquatrix und der Beginn der Ära Jean-Michel Boris 1989 verabschiedete sich Sheila von der Bühne, und neun Jahre später, 1998, kehrte sie auf die Bühne zurück. 1998 feierte Annie Cordy ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum und 70 Jahre auf der Bühne. Den Rekord für die längste Serie von Vorstellungen hielt Michel Sardou 1995, der sechs Monate lang auf der Bühne stand und 113 Vorstellungen gab – vom 10. Januar bis 26. März, dann vom 11. April bis 30. April, bevor er seine Tournee am 10. Juni beendete. Neben Musik und Chanson bietet das Olympia eine große Vielfalt an Veranstaltungen, darunter Zirkusse, Ballette, Filme und Operetten. Eine Tanz- und Schauspielschule befindet sich in den Dachräumen des Gebäudes. Später unterrichtete Béatrix Hoang (Tänzerin und Choreografin) dort Jazzkurse, und Patrick Ehrhard (Choreograf, Lehrer und Tänzer) übernahm die Kurse für zeitgenössischen Tanz. Auch Alice Dona und Bernard Lavilliers haben dort ihre Schauspielschulen. Viele Tänzer wurden dort ausgebildet. Der Kampf um die Rettung des Olympia 1992 kündigte die Société Générale, Eigentümerin des Grundstücks, ein großes Immobilienprojekt an, das eine Umgestaltung des hinteren Gebäudeteils zur Schaffung eines Platzes vorsah. Die Mobilisierung der Öffentlichkeit und der Fachleute führte zur Eintragung der ehemaligen Billardhalle als historisches Denkmal durch Dekret vom 23. Mai 1991. Ergebnis: Die Bank entschied sich für ein maßvolleres Projekt – die Halle wurde originalgetreu (um einige Meter versetzt) wiederaufgebaut und mit verbesserten technischen Einrichtungen ausgestattet. Das dritte Olympia, das Olympia von heute Am 14. April 1997 fand die letzte Vorstellung des alten Olympia von 1954 statt. Die neue Halle öffnete im November 1997 mit Gilbert Bécaud. Im August 2001 kaufte Vivendi Universal, das sich 2006 in Vivendi umbenannte, den Betrieb (den Namen „Olympia“). Seit 1999 gehört die Konzerthalle des Olympia (das Gebäude) der SFL (Société foncière lyonnaise).