Clos-de-Montmartre – die Geschichte eines Weinbergs in Paris, ein exklusiver Jahrgang

Clos-de-Montmartre – die Geschichte eines Weinbergs in Paris, ein exklusiver Jahrgang

Der Clos-de-Montmartre, oder im allgemeinen Sprachgebrauch einfach Clos-Montmartre, ist ein mit Reben bepflanzter Weinberg im 18. Arrondissement von Paris. Er liegt fast im Zentrum der Butte Montmartre und ist von Gebäuden und Häusern umgeben. Um die Sache noch zu verschlimmern, wächst der Weinberg am Nordhang der Butte Montmartre – und nicht, wie es sich eigentlich gehörte, am Südhang. Der Clos-de-Montmartre wird von der Rue Saint-Vincent und der Rue des Saules begrenzt.

Auf beiden Seiten erheben sich zwei berühmte Bauwerke Montmartres: das Kabarett Au Lapin Agile und das Musée de Montmartre. Er befindet sich zudem nur wenige Dutzend Meter vom Friedhof Saint-Vincent entfernt.
Herkunft des Weinbergs Clos-de-Montmartre
Bereits im 10. Jahrhundert waren die Hänge der Butte Montmartre weitgehend mit Weinreben bedeckt. Sie gehörten hauptsächlich dem Kloster der Damen von Montmartre. Allerdings gab es den heutigen Weinberg noch nicht. Nach und nach wurden die Weinberge aufgegeben, und die Qualität des produzierten Weins schien nicht besonders hochwertig zu sein.

Im Anschluss wurde der Ort vor allem zu einer Brache, einem Zufluchtsort für Landstreicher und einem Spielplatz für die Kinder des Viertels. Als Montmartre 1860 nach Paris eingemeindet wurde, breiteten sich die Häuser auf Kosten des letzten Weinberg-Rests aus.
Der „Parc de la Belle Gabrielle“
An seinen Hängen befand sich damals ein Wäldchen namens „Parc de la Belle Gabrielle“, das später in einen Freizeitpark umgewandelt und schließlich, als es aufgegeben wurde, zu einer Brache wurde. In diesem Zustand entdeckten die Pioniere, die den Weinbau in Montmartre wiederbelebten, den Ort.
Die Wiederbelebung des Weinbaus in Montmartre: der „Clos Montmartre“
1929 eröffneten die Anwohner einen Platz auf dem ehemaligen Garten von Aristide Bruant, um den Bau eines Sozialwohnungsblocks zu verhindern. Anführer dieses Aufstands war Francisque Poulbot, Zeichner und Schöpfer des namensgebenden „Gosse de Montmartre“, der noch heute in Comics zu finden ist.

Nach langen Verhandlungen mit den Behörden wurde 1933 unter dem Namen „Clos de Montmartre“ ein Weinberg angelegt. Später gründete Maurice His, Präsident der „République de Montmartre“, 1983 die „Commanderie du Clos Montmartre“ mit etwa zehn Gefährten und einer Frau. Ihr Ziel war es, neben ihrer Liebe zum Wein, den Weinbergen von Montmartre eine offizielle Vertretung zu geben.
Das Weinfest auf dem Montmartre-Hügel Die Weinlese selbst ist kein besonderes öffentliches Ereignis. Die Trauben werden in den Kellern des Rathauses des 18. Arrondissements gepresst.

Doch jedes Jahr im Oktober wird ein Weinfest in Montmartre gefeiert, mit einem Umzug, bei dem sich die Vereine aus Montmartre und eingeladene Weinbruderschaften aus den Provinzen versammeln. Es wird zu einem großen Volksfest, bei dem traditionelle Umzüge der Bruderschaften, Weine und Folklore den Hügel unter jubelndem Applaus durchziehen. Anschließend wird der Wein versteigert. Die Erlöse kommen sozialen Einrichtungen auf dem Montmartre zugute.
Der Weinbau des Clos de Montmartre Der Clos de Montmartre umfasst 2.000 Rebstöcke, die jedes Jahr geerntet werden. Die Ernte fällt mal mehr, mal weniger ertragreich aus. Die Weinberge von Montmartre können in manchen Jahren bis zu 1.300 Kilogramm Trauben hervorbringen.

Die Jahrgänge tragen je nach Jahr unterschiedliche Namen. Der erste Jahrgang, geerntet 1934, wurde von Mistinguett und Fernandel gesponsert, während der von 1999 dem Moulin Rouge gewidmet war.

Der Clos de Montmartre ist nicht nur ein Weinberg. Eine Laube mit Stauden und wildem Wein sowie einige Blumenbeete verleihen dem Clos de Montmartre einen einzigartigen Charme, der sogar eine Statue des Heiligen Vinzenz verzaubert hat. Dieser wacht über eine Gedenkstele für den Montmartre-Künstler Francisque Poulbot (1879–1946), der diesem Ort sehr verbunden war. 1929 taufte er die damals unbebaute Fläche in „Square de la Liberté“ um.
Wer kümmert sich um die Reben des Clos de Montmartre? Fast unmöglich, mitten in Paris Fachleute für Weinbau zu finden – geschweige denn solche, die auch in Montmartre wohnen. Deshalb stellt die Stadt Paris die notwendigen Arbeitskräfte und das Fachwissen bereit. Innerhalb der Direktion für Grünflächen und Umwelt der Stadt Paris sind es die Teamleiter, die einen Gärtnerabschluss in der Tasche haben und sich um die Pariser Weinberge kümmern. Manche haben eine spezielle Ausbildung unter der wachsamen Aufsicht eines Önologen absolviert. Andere haben diese Handgriffe einzig aus Leidenschaft gelernt, indem sie Profis bei der Arbeit beobachtet haben. Eine schöne Gelegenheit für sie, mit verschiedenen Welten in Kontakt zu kommen: Studierende der Weinbaukunde, die sich für den Anbau mitten in Paris interessieren, oder Filmteams aus aller Welt, die diese malerischen und typisch französischen Bilder lieben. Die Ernte ist nicht die schwierigste Phase.

Viel anspruchsvoller sind der Rebschnitt und die phytosanitäre Pflege – entscheidende Faktoren für eine gute Traubenreife, die von unerwünschten Pilzen wie dem Falschen Mehltau, aber auch von Milben und Vögeln bedroht wird. Schließlich das „Assemblieren“ des Weins, das eine oenologische Expertise erfordert.