Kirche Saint-Gervais, seit 1616 von historischen Persönlichkeiten besucht

Kirche Saint-Gervais, Place Saint-Gervais

(Metro Hôtel de Ville) (Tel. 01 48 87 32 02, geöffnet von 5:30 bis 21 Uhr und die ganze Nacht von Donnerstag auf Freitag für die Gottesdienste)

Eine Ulme begrünt die Place Saint-Gervais. 1912 neu gepflanzt, erinnert sie an die Tradition der Richter, die unter einer Ulme Recht sprachen. Spuren dieser Sitte finden sich noch im Viertel: Die Balkone der Häuser mit den Nummern 2 bis 14 in der Rue François-Miron, die aus dem Jahr 1732 stammen, sind mit Schmiedeeisenarbeiten in Ulmenform verziert, besonders am Haus Nr. 14. An der Stelle eines im 6. Jahrhundert dem Märtyrerpaar Saint Gervais und Saint Protais geweihten Heiligtums – deren Reliquien aus Mailand hierhergebracht wurden – entstand die heutige Kirche im 16. und 17. Jahrhundert. Im Juli 1616 legte Ludwig XIII. den Grundstein für die Fassade, die die drei antiken Säulenordnungen zeigt: dorisch, ionisch und korinthisch in der obersten Ebene. Marie de Rabutin-Chantal, Marquise de Sévigné, heiratete hier 1644.

Zahlreiche Persönlichkeiten wie Scarron und Philippe de Champaigne wurden hier beigesetzt. Die 1974 im Originalstil rekonstruierten Orgeln gehörten der Musikerfamilie Couperin an, einer bedeutenden Dynastie des 17. Jahrhunderts. Während der Revolution wurden die Gräber geschändet, die Statuen zerstört und die Kirche in einen „Tempel der Jugend“ umgewandelt. Im 19. Jahrhundert ließ die Stadt Paris die Kapellen neu vergolden, bestellte Statuen und restaurierte die Fenster. 1918 traf ein deutscher Granatbeschuss die Kirche und forderte über hundert Tote, als ein Teil des Gewölbes einstürzte. Seit 1975 wird die Kirche von Mönchen und Nonnen der monastischen Gemeinschaft von Jerusalem betreut, deren Gottesdienste täglich um 7 Uhr, 12:30 Uhr und 18 Uhr sowie jeden Sonntag um 11 Uhr stattfinden.