Pont Mirabeau, der Name eines ambivalenten Revolutionärs

Pont Mirabeau, der Name eines ambivalenten Revolutionärs

Pont Mirabeau: ein großer Name der Revolution
Die Mirabeau-Brücke überspannt die Seine zwischen dem 15. Arrondissement (auf dem linken Ufer gelegen) und dem 16. Arrondissement. Sie verbindet die Rue de la Convention und den Rond-point du Pont-Mirabeau am linken Ufer mit der Place de Barcelone und der Rue de Rémusat am rechten Ufer. Sie befindet sich etwa 1 km südwestlich vom Eiffelturm und vom Trocadéro.

Seit 1975 als historisches Denkmal eingestuft.

Herkunft des Namens

Er ehrt den Schriftsteller und Revolutionär Honoré-Gabriel Riquetti de Mirabeau (1749–1791), der aus dem Adel von Aix-en-Provence stammte. Körperlich behindert und von der Natur nicht begünstigt, wurde er zum Sprecher des Dritten Standes (Nicht-Adel, Nicht-Klerus) während der Französischen Revolution. Berühmt blieb er vor allem für seine revolutionären Reden, insbesondere für seine Antwort an die Vertreter Ludwigs XVI., die die Abgeordneten aus ihrem Versammlungssaal vertreiben wollten: „Gehen Sie zu denen, die Sie gesandt haben, und sagen Sie ihnen, dass wir hier sind kraft des Willens des Volkes und dass man uns nur mit Bajonetten vertreiben kann.“ Zu beachten ist, dass die genaue Antwort leicht abweicht und länger ist.

Das wahre Leben Mirabeaus

Er starb am 2. April 1791 an den Folgen einer Krankheit (wahrscheinlich verschlimmert durch seinen ausschweifenden Lebensstil, da er ein ausschweifendes Leben führte). Ursprünglich im gerade erst „geschaffenen“ Panthéon beigesetzt, wurde er dort bereits am 21. September 1794 wieder entfernt, nachdem seine Kontakte zu Ludwig XVI. und dessen Hof bekannt wurden. Tatsächlich führte er ein Doppelleben: Einerseits Revolutionär, andererseits Berater des Königs. In Wahrheit strebte er eine konstitutionelle Monarchie an, um die Exzesse der Revolution zu vermeiden – während er gleichzeitig seine eigenen Interessen verfolgte, die darauf abzielten, später Minister zu werden.

Bau der Mirabeau-Brücke

Die Hauptöffnung hat eine Spannweite von 93 Metern, die beiden seitlichen Bögen von je 32,4 Metern. Jene auf der rechten Uferseite überquert das Gleisbett am Uferrand, während die auf der linken Uferseite das Gleisniveau überbrückt und die Fußgängerbrücke über die Gleise der RER-Bahn verlängert. Zur Zeit ihrer Errichtung wies die Brücke das größte Verhältnis von Länge zu Höhe auf, mit einem Wert von 16.

Bogenbrücke: Länge 173 m – Breite 20 m – Höhe 15 m – Material: Stahl – Baujahr: 1893–1896
Die Mirabeau-Brücke: eine Brücke und ein Gedicht
Die Mirabeau-Brücke ist zunächst eine Brücke, dann ein Gedicht des französischen Dichters Guillaume Apollinaire, das im Februar 1912 in der Zeitschrift *Les Soirées de Paris* und 1913 in seinem Band *Alcools* erschien. Es thematisiert das Verschwinden der Liebe mit dem Lauf der Zeit, wobei die Metapher der Fluss der Seine unter der Mirabeau-Brücke in Paris ist.

Das Gedicht wurde von Marie Laurencin inspiriert (einer heute weltweit bekannten Malerin), mit der Guillaume Apollinaire die Brücke oft überquerte und 1907 eine Beziehung begann. Eine stürmische und chaotische Liaison, die sieben Jahre andauerte. Das Bild dieser Brücke ist mit den Liebeserinnerungen des Dichters verbunden. In einem Brief an Madeleine Pagès, die er 1915 heiratete, bezeichnete er das Gedicht als „das traurige Lied dieser langen, zerbrochenen Verbindung“.

Er pflegte Freundschaft mit Pablo Picasso, Antonio de La Gandara, Jean Metzinger, Paul Gordeaux, André Derain, Edmond-Marie Poullain, Maurice de Vlaminck und dem Douanier Rousseau und machte sich als Dichter und Journalist einen Namen.

Guillaume Apollinaire, schwer verwundeter Soldat des Ersten Weltkriegs

Er meldete sich 1915 freiwillig zum Krieg von 1914–1918. Am 17. März 1916, wenige Tage nach seiner Einbürgerung als französischer Staatsbürger, wurde er an der Schläfe von einem Granatsplitter getroffen. Nach seiner Verlegung ins Hôpital du Val-de-Grâce in Paris unterzog er sich am 10. Mai 1916 einer Trepanation und begann eine lange Rekonvaleszenz.

Am 9. November 1918 starb er in seiner Wohnung in der 202, boulevard Saint-Germain, an der Ecke zur rue Saint-Guillaume. Nicht seine schwere Kriegsverletzung, sondern die Spanische Grippe raffte ihn dahin. Während seine Freunde kamen, um von ihm Abschied zu nehmen, zogen Pariser unter seinen Fenstern vorbei und skandierten „À mort Guillaume!“, wobei sie damit nicht den Dichter, sondern den an diesem Tag abdankenden deutschen Kaiser Wilhelm II. meinten. Er ruht auf dem Friedhof Père-Lachaise.

Eine am Pont Mirabeau angebrachte Gedenktafel trägt die ersten Verse des Gedichts.
Die Brücke Mirabeau: endlich ein Lied
Guillaume Apollinaires Gedicht *Le Pont Mirabeau* wurde mehrfach vertont. Die Version des Sängers Léo Ferré ist wohl die bekannteste und wurde von zahlreichen Interpreten wie Yvette Giraud, Cora Vaucaire, Anne Sofie von Otter, Serge Reggiani, Marc Lavoine und der Gruppe Pow Wow übernommen.