Boutique Maille – Dijon-Senf – Bewertet mit 4,3
Boutique Maille am Place de la Madeleine, Paris. Weit entfernt vom 18. Jahrhundert und von Dijon!
Ursprung des Dijon-Senfs: die Verwendung von Verjus
Bereits im 18. Jahrhundert hatten sich die Familien aus Dijon als Senfhersteller etabliert, indem sie insbesondere den Essig durch Verjus ersetzten. Verjus (grüner Saft oder grüner Saft) ist der saure Saft, der aus unreifen oder nicht voll ausgereiften Trauben (auch grüne Trauben genannt) gewonnen wird. Seine Verwendung nahm mit der Zeit ab, und bereits im 17. Jahrhundert wurde er nach und nach durch den Saft von Bitterorangen oder Zitronen ersetzt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Verjus wiederentdeckt. Er bietet vielfältige Verwendungsmöglichkeiten. Die gängigste ist sein Einsatz in Saucen. Andere Verwendungen von Verjus unterscheiden sich kaum von denen des Weins. Heute kann er Zitronensaft oder Essig in Salatdressings, Senf, Fleisch- und Fischgerichten sowie in Saucen ersetzen. Er eignet sich auch zum Ablöschen.
Die Marke Grey Poupon und die folgende Geschichte mit Maille
Die Senfmarke Grey Poupon wurde 1777 in Dijon gegründet, mit der Eröffnung eines Ladens an der Ecke Rue du Chapeau-Rouge und Rue de la Liberté. Die Senfmarke Maille hingegen wurde bereits 1747 vom berühmten Senfhersteller Antoine-Claude Maille ins Leben gerufen. Allerdings öffnete die Maille-Filiale in Dijon erst 1845 und ersetzte auf den Schildern und Hausnummernschildern den Grey Poupon-Senfladen.
Maille hat seine Marke stets durch Werbung in den Vordergrund gestellt. Ihr Slogan „Il n’y a que Maille qui m’aille“ („Nur Maille passt zu mir“) ist in jedem französischen Haushalt unvergessen. Es ist ein Wortspiel zwischen dem Strickpunkt „Maille“ im Französischen und „m’aille“, was „passt zu mir“ bedeutet.
Eröffnungen von Filialen in Paris und im Ausland
Maille eröffnete seine erste Filiale in der Rue Saint-André-des-Arts in Paris. Die zweite Filiale, die 1996 an der Place de la Madeleine Nr. 6 in Paris eröffnet wurde, ist eine exakte Nachbildung der historischen Filiale in Dijon. Eine dritte Filiale, die erste außerhalb Frankreichs, wurde 2013 in London, 2 Piccadilly Arcade, eröffnet.
Schließlich wurden 2015 zwei weitere Filialen in Frankreich eröffnet: eine im Einkaufszentrum Carrousel du Louvre in Paris, eröffnet am 20. Mai 2015, und eine in Bordeaux, gelegen in der Cours de l’Intendance Nr. 40, eröffnet am 23. Oktober 2015.
Die heutige Maison Maille in Paris
Im Herzen von Paris, an der Place de la Madeleine, befindet sich eine wunderschöne Maille-Filiale. Hier reihen sich Hunderte von Flaschen und Dutzende Senfsorten mit einzigartigen, komplexen und mutigen Aromen an den Wänden auf, um selbst die anspruchsvollsten Gaumen zufriedenzustellen. Der Senfsommelier von Maille bietet Verkostungen an.
Im Vordergrund thront eine Reihe glänzender und raffiniert gestalteter Pumpen. Hier wird Ihre Auswahl an Gewürzen frisch in Steinguttöpfe abgefüllt und sorgfältig mit Korkverschlüssen verschlossen – alles per Hand.
Maille ist also nicht nur Hersteller und Vertreiber von Senf. Hier finden Sie auch feine Essige, spielerische Salatdressings, edles Geschirr und einzigartige Geschenke für Gastronomiebegeisterte – alles begleitet von kulinarischen Tipps und inspirierenden Rezepten zum Mitnehmen. Nach Ihrem Besuch können Sie Verkostungssets mitnehmen.
Die Senfknappheit 2022
2022 erlebte Frankreich eine Senfknappheit. Bei Maille fand man während dieser Zeit ein breites Sortiment an Senf, Ölen und Essigen sowie frisch aus den Pumpen abgefüllten Senf – trotz der Knappheit, die Frankreich traf. Allerdings in begrenzten Mengen.
„Sie kaufen nur 10 Kilogramm pro Tag“, erklärt ein Kunde. Das sind 40 Gläser mit je 250 Gramm Original und À l’Ancienne Senf auf den Regalen. Sobald die 40 Gläser verkauft sind, muss man bis zum nächsten Tag warten, bis der Bereich wieder aufgefüllt wird. Daneben steht ein Schild: „Es wird pro Familie nur ein Glas verkauft. Vielen Dank für Ihr Verständnis.“ Eine Art Kriegswirtschaft.
Hoffnung für Senfsamen aus Burgund im Jahr 2023
Frankreich bezieht 80 % seiner Saatgutimporte aus Kanada. Doch das Land wurde 2021 hart von der Dürre getroffen, was zu einem Produktionszusammenbruch und Auswirkungen auf die französischen Importe führte. Auch der Krieg in der Ukraine hatte Folgen für die Saatguteinfuhren, da Russland und die Ukraine zu den großen Produzenten zählen.
In Frankreich wird in der Region Burgund um Dijon ebenfalls nur ein geringer Teil der für die Senfherstellung benötigten Rohstoffe angebaut. Laut Unilever reicht die französische Produktion allein nicht aus, um die Nachfrage zu decken. Dennoch war die Ernte 2022, die kürzlich abgeschlossen wurde, laut Berichten besonders gut – ein Zeichen, dass die Knappheit bis Ende 2022 überwunden sein könnte.
Die Experten behielten recht
Mehrere Experten gingen davon aus, dass die Regale erst Ende 2022 wieder vollständig gefüllt sein würden. Das kanadische Landwirtschaftsministerium hoffte auf eine Normalisierung im Jahr 2023. Diesmal lagen die Experten richtig: Schon zu Beginn des Jahres 2023 war alles wieder im normalen Zustand!