L'Oréal Group, weltweiter Marktführer im Bereich Kosmetik, eine Milliardärsfamilie

Der Konzern L’Oréal – ein Name, den Frauen und Männer auf der ganzen Welt kennen. Dieses Unternehmen, dessen Hauptsitz im Vergleich zu seiner internationalen Bedeutung eher bescheiden wirkt, blickt auf eine Geschichte zurück, die mit zwei Männern verbunden ist: seinem Gründer Eugène Schueller und seinem Nachfolger und Visionär François Dalle. **Eugène Schueller und die Anfänge des L’Oréal-Konzerns** Eugène Schueller, ein junger französischer Chemiker mit elsässischen Wurzeln, geboren 1881, absolvierte 1904 die *École de Chimie Appliquée* in Paris. Am 14. November 1907 meldete er beim *Office National de la Propriété Industrielle* ein Patent für ein Verfahren zur Haarfärbung an. Zu dieser Zeit arbeitete er als Präparator an der Sorbonne unter der Leitung von Professor Victor Auger, der auch Berater der *Pharmacie Centrale de France* war. Schueller war der Einzige, der sich freiwillig bereit erklärte, an einer völlig zuverlässigen und vor allem unbedenklichen Haarfärbung zu forschen, um graue Haare zu kaschieren. Damals basierten solche „Färbungen“ auf Wasserstoffperoxid – ein Problem, das sein weiteres Leben prägen sollte. Er entwickelte eine Formel, die eine dauerhafte Abdeckung der grauen Haare ermöglichte, und zwar auf Basis von Kartoffelstärke. Im Januar 1908 kündigte er und gründete sein eigenes Unternehmen. Er richtete sich in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in der *3, rue d’Alger* im 1. Arrondissement von Paris ein, die zugleich als Büro und Ausstellungsraum diente. Doch der erhoffte Erfolg blieb zunächst aus. **Die finanzielle Unterstützung durch André Spéry** André Spéry, Buchhalter aus Épernay und Angestellter des Spirituosenhauses Cusenier, stellte die notwendigen 25.000 Francs aus einem Erbe zur Verfügung. Am 30. Juli 1909 wurde in der *7 bis, rue du Louvre* (1. Arrondissement) die *Société française de teintures inoffensives pour cheveux* als einfache Kommanditgesellschaft gegründet. Man engagierte einen Vertreter und eine Vorführerin, eine ehemalige Friseurin am Hof des russischen Kaiserreichs. Das von Eugène Schueller gegründete Unternehmen war nun auf dem Weg: Die erste Ausgabe von *La Coiffure de Paris* (eine Zeitschrift für Friseure) erschien im Oktober-November 1909. **Der historische Hauptsitz des L’Oréal-Konzerns, 14 rue Royale, nahe der Place de la Concorde in Paris** Seit 1938 ist der 14 rue Royale der historische Hauptsitz des L’Oréal-Konzerns und wurde nach seiner Wiedereröffnung 2023 unter dem Namen *„Le Visionnaire“* neu belebt. Das Gebäude an der Ecke zur *rue Saint-Honoré* birgt eine bewegte Geschichte. Ursprünglich beherbergte es eine Filiale der Crédit Lyonnais, die sich dort spätestens seit 1910 befand. Doch schon im ausgehenden 19. Jahrhundert stand an dieser Stelle ein Kabarett namens *La Porte Saint-Honoré*. Der Name geht auf das ehemalige Tor der Stadtmauer Ludwigs XIII. zurück, das an dieser Stelle stand und 1733 abgerissen wurde. 1859 lebte hier der Physiologe Claude Bernard. Heute ist das Gebäude der Hauptsitz von L’Oréal, den Eugène Schueller 1938 bezog. Die Räumlichkeiten des Unternehmens erstrecken sich über das gesamte Gebäudeensemble der *14 rue Royale* bis zur *rue Saint-Florentin* im hinteren Bereich, parallel zur Hauptstraße. Das Gebäude selbst ist eines der architektonischen Meisterwerke des französischen 18. Jahrhunderts und wurde vom Architekten Ange-Jacques Gabriel entworfen; seine Fassade und das Dach stehen unter Denkmalschutz. Inspiriert von der Vision François Dalles, Generaldirektor von L’Oréal zwischen 1948 und 1984, bewahrt der 14 rue Royale den Geist einer Werkstatt und eines „Bivouacs“, in dem über 80 Jahre hinweg die Kosmetik- und Schönheitsprodukte entwickelt wurden, die unseren Alltag manchmal revolutionierten. Die Friseurkunst, Ursprung der ursprünglichen Tätigkeit von L’Oréal, wird hier erneut in den Vordergrund gestellt: Auf über 750 Quadratmetern entsteht ein hochdigitalisierter, hybrider und agiler Schulungsbereich, der Spitzenkompetenz und ein einzigartiges Erlebnis bietet. Die Zwischenkriegszeit für das Unternehmen, das am 5. April 1939 zur L’Oréal-Gruppe werden sollte Zunächst war die L’Oréal-Gruppe ein Unternehmen, das regelmäßig in Fachpublikationen für Friseure vertreten war. 1923 brachte Eugène Schueller das *L’Oréal Bulletin* heraus, ein Fachmagazin, das in Friseursalons verteilt wurde. Zwei Jahre später folgte *L’Oréal Humoristique*, das die wartenden Kundinnen unterhielt. 1933 wurde das Frauenmagazin *Votre Beauté* gegründet. 1935 fusionierte Eugène Schueller alle diese Publikationen in der *Société d’éditions modernes parisiennes* (SEMP). L’Oréal diversifizierte sich damit. 1928 übernahm er die *Société des Savons français*, die 1920 in der Rue Martre in Clichy gegründet worden war (wo sich heute der Verwaltungssitz von L’Oréal befindet) und besser unter der Marke Monsavon bekannt war. Dies war der erste Schritt des Unternehmens in den Bereich der Konsumgüter. Monsavon wurde 1961 an Procter & Gamble verkauft. Die Zukunft von L’Oréal lag jedoch auch in der Entwicklung eigener Produkte. 1929 schuf Eugène Schueller die erste schnelltrocknende Haarfärbung namens „Imedia“, deren Erfolg durch den Trend zu kurzen Haaren noch verstärkt wurde. Vier Jahre später brachte er das Shampoo Dopal in die Friseursalons. Im darauffolgenden Jahr wurde das Produkt unter dem Namen Dop für den Massenmarkt umgetauft. 1935 entwickelte er Ambre Solaire, die erste Sonnencreme – ein Jahr zuvor