Grand Palais – ein Jahrhundert multidisziplinärer Ausstellungen auf der Achse der Republik
Der Grand Palais ist derzeit für drei Jahre geschlossen, um vor den Olympischen Spielen 2024 eine umfangreiche Renovierung durchzuführen. Hier werden die Fechtwettbewerbe der Olympischen Spiele 2024 ausgetragen. Dennoch kann die Majestät und die gewaltige Größe des Bauwerks weiterhin von der Avenue aus bewundert werden, die an ihm vorbeiführt.
Der Grand Palais ist eines der bedeutendsten Wahrzeichen von Paris. Er wurde anläßlich der Weltausstellung 1900 (vom 15. April bis zum 12. November 1900) errichtet und ist an seiner imposanten Glaskuppel mit französischer Flagge zu erkennen. Dieses architektonische Meisterwerk, das Stein, Stahl und Glas vereint, steht seit November 2000 unter Denkmalschutz.
Wo befindet sich der Grand Palais und warum an diesem Ort?
Der Grand Palais liegt etwa 100 Meter von den Champs-Élysées entfernt, gegenüber dem Petit Palais, von dem er durch die Avenue Winston-Churchill im 8. Arrondissement getrennt ist. Er grenzt fast direkt an die Seine.
Vor der Weltausstellung 1900 markierte bereits der Beginn einer langen Perspektive das Invalidendom, die Soldatenkirche, das Hôtel und die Esplanade der Invaliden. Doch auf der anderen Seite der Seine befand sich eine der Seitenfassaden des Palais des Arts et de l’Industrie, das für diesen Zweck abgerissen wurde – ein Missstand.
Man beschloss daher, die „Invalidenachse“ bis zum Élysée-Palast zu verlängern und so einen Rahmen für die zukünftige große Ausstellung zu schaffen. So entstand die „Republikanische Achse“.
Die Republikanische Achse und die Perspektive von den Invaliden zu den Champs-Élysées
Die Organisation und Gestaltung der Weltausstellung 1900 war um die ausländischen und thematischen Pavillons auf der Esplanade der Invaliden auf der anderen Seite der Seine herum konzipiert. Auf der anderen Uferseite bildeten der Grand Palais und der Petit Palais ein Ensemble, das sich beiderseits der neu geschaffenen Avenue gegenüberstanden. Die Verbindung zwischen den beiden Ufern wurde durch die anläßlich der Ausstellung errichtete Alexandre-III-Brücke über die Seine hergestellt.
Bau und architektonische Konzeption des Grand Palais
Das Hauptgebäude, parallel zur Avenue Winston-Churchill, ist fast 240 Meter lang und beherbergt einen großen Raum, der von einer gewaltigen Glasüberdachung gekrönt wird. Die leicht gedrückten Gewölbe der Nord- und Südschiffe sowie das Querhaus (Paddock), die Hängekuppel und die Kuppel wiegen etwa 8.500 Tonnen Stahl, Eisen und Glas. Das Gesamtgewicht des verwendeten Metalls beträgt 9.057 Tonnen (im Vergleich: Die Struktur des Eiffelturms wiegt 7.300 Tonnen). Das Bauwerk erreicht eine Höhe von 45 Metern. Diese Art von Gebäude markiert den Höhepunkt des Eklektizismus, typisch für den „Beaux-Arts“-Stil. Der Grand Palais allein verkörpert die Ästhetik der „Belle Époque“. Die Suche nach natürlichem Licht blieb zu einer Zeit, als die „Elektrizitätsfee“ noch nicht existierte, für jede große Menschenansammlung von entscheidender Bedeutung.
Die Einweihungszeremonie fand am 1. Mai 1900 in Anwesenheit von Émile Loubet, dem Präsidenten der Republik, statt.
Ein Jahrhundert „fachübergreifender“ Ausstellungen
Die 77.000 m² des Grand Palais beherbergen regelmäßig renommierte Messen und Ausstellungen. Schon 1901 folgten weitere Salons, die vor allem Innovation und Moderne gewidmet waren: der Automobil-Salon von 1901 bis 1961, der Luftfahrtsalon von 1909 bis 1951, der Salon der Haushaltsgeräte usw. Daneben gibt es auch Kunst-, Technik- und Handelsausstellungen sowie gelegentliche Sonderveranstaltungen.
Die Nationalgalerien
Auf Wunsch von André Malraux, damals Minister für kulturelle Angelegenheiten, wurde 1964 ein Großteil des Nordflügels zu „Nationalgalerien“ umgestaltet, um große temporäre Ausstellungen zu beherbergen. 1966 wurde dort eine Retrospektive des Malers Pablo Picasso gezeigt, gefolgt von zahlreichen Ausstellungen klassischer, impressionistischer (Renoir) und moderner Maler (Zao Wou-Ki, Prassinos, Mušič, Bazaine, Manessier). Der Grand Palais wurde kürzlich durch die Organisation zweier großer Ausstellungen weltweit bekannt: *Picasso und seine Meister* im Jahr 2008 und *Monet* im Jahr 2010.
Das „Grand-Palais der schönen Künste“ und die Arbeiten von 2001 bis 2007
Doch bereits zwischen 2001 und 2007, vor der aktuellen Renovierung, war das Grand Palais Gegenstand einer Umgestaltung der Fundamente (Setzungen durch die nahegelegene Seine-Alluvionen), der Metallstruktur sowie des Austauschs der Glasdachverglasung – mit Kosten von über 100 Millionen Euro.
Das Grand Palais vor seiner Schließung für die aktuelle Renovierung
Bis zu seiner Schließung 2021 bestand das Grand Palais aus drei großen Bereichen: der Nef (Halle), den Nationalgalerien und dem Palais de la Découverte.
Die Nef, imposant mit ihren 240 Metern Länge, beherbergt nationale und internationale Großveranstaltungen in verschiedenen Bereichen (Reitsport, zeitgenössische Kunst, Messen usw.).
Die Nationalgalerien organisieren hochkarätige Ausstellungen, die Künstlern gewidmet sind, die die Kunstgeschichte geprägt haben (Picasso, Hopper, Renoir…).
Das Palais de la Découverte, 1937 für die Internationale Ausstellung geschaffen, befindet sich am Standort des Palais d’Antin (westlicher Teil des Grand Palais). Diese Ausstellung zog zwei Millionen Besucher an und erhielt so das Recht, dauerhaft im Grand Palais zu bleiben. Das Palais de la Découverte ist ein Museum und ein Kulturzentrum, das sich der Wissenschaft widmet, wo Kinder spielerisch durch Dauer- und Wechselausstellungen lernen. Es hat kürzlich ein neues, außergewöhnliches digitales Projektionssystem für sein Planetarium erhalten.
Ein unverzichtbarer Ort in drei Teilen, nur wenige Schritte von den Champs-Élysées entfernt.
Der Grand Palais in Zahlen – bis 2021
Fundamente
8.900 m² Schalungswände aus fast 6.600 m³ Beton, 2.000 Jet-Grouting-Säulen mit etwa 10.000 Tonnen Zement.
Große Halle
200 m Länge, 50 m Breite (100 m zwischen Haupteingang und Rückwand der Reitbahn), 35 m Höhe unter dem Dachstuhl, 45 m unter der Kuppel, 60 m bis zum Glockenturm. Die Grundfläche beträgt 13.500 m².
Metallkonstruktion
Gewicht über der Halle: 6.000 Tonnen Stahl (600 Tonnen wurden in der ersten Bauphase ersetzt) bei insgesamt 8.500 Tonnen, einschließlich des Palais d’Antin. Anzahl der ersetzten Nieten: etwa 15.000. Neu gestrichene Fläche: 110.000 m². Gewicht der neuen Farbe: 60 Tonnen für drei Schichten, was praktisch 2.000 Dosen à 30 kg entspricht.
Die verschiedenen Glasdächer
Ersetzte Fläche: 13.500 m² für die große Schiffshalle (16.000 m² inklusive der seitlichen Glasdächer). Neue Glasdachlast für die Schiffshalle, die Paddocks und die Glasdächer nahe der beiden Quadrigen: 280 Tonnen Verbundglas (ohne 65 Tonnen Isolierverglasung für die seitlichen Galerien in der Peripherie). Die gesamte Glasdachfläche beträgt 17.500 m² und macht es damit zum größten Glasdach Europas.
Dacheindeckung und Metallbau
Ersetzte Länge: 750 m Blechrinne und 110 m Zinkrinne, 1.200 m verzierte Zinkornamente. Zinkdachfläche: 5.200 m².
(Quelle: ÉMOC)