Boutique Félix-Potin, Zeugnis des Wohlstands und Stils der frühen 1900er-Jahre

Magasin Félix Potin, 51 rue Réaumur Ecke Adresse: 95 Bd de Sébastopol, 75002 Paris

Telefon: 01 42 33 36 15

DAS GESCHÄFT AM BOULEVARD DE SÉBASTOPOL

Entworfen 1910 von Charles Lemaresquier (1870–1972) an der Ecke von Boulevard de Sébastopol und Rue Réaumur, ist dieses Gebäude ein typisches Beispiel für den architektonischen Polychromie-Geschmack der Belle Époque. Wegen seines markanten Kuppeldachs erhielt es den Spitznamen „Die Pfefferbüchse“ und verkörpert die Pracht dieses Unternehmens im post-haussmannschen Stil. Mit seinem neobarocken Design besticht es durch seine bunte Eckrotunde und plastische Schmuckelemente wie Fruchtgirlanden, den Hermesstab (Kerykeion) sowie Attribute des Gottes Hermes. Charles Lemaresquier (1870–1972), der Architekt, schuf nur wenige Bauwerke, doch seine Entwürfe waren stets ambitioniert. Er war zudem als Lehrer an der École des Beaux-Arts tätig und prägte dort zahlreiche Preisträger des Prix de Rome. Zu seinen weiteren Pariser Werken zählen der Palais Berlitz und das Hôtel de Rochechouart.

An der Ecke von Rue Réaumur und Boulevard de Sébastopol zeugt dieses prunkvolle Geschäft von der Blütezeit des Einzelhändlers zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der 1996 alle seine Filialen schloss (heute beherbergt es einen Monoprix). Erbaut 1910, ist seine große Kuppel charakteristisch für die bürgerlichen Gebäude der Epoche. Das Kaufhaus fällt zudem durch seine farbenfrohe Fassade auf, die mit Bienenwaben-Motiven verziert ist – Symbole für Handel und Wohlstand.

Bunte Eckrotunde, plastische Schmuckelemente: Fruchtgirlanden, Hermesstab, Attribute des Gottes Hermes. Ehemaliger Firmensitz der Kaufhauskette Félix Potin. Félix Potin eröffnete 1844 sein erstes Geschäft in Paris. Von Anfang an setzte er auf vier Prinzipien, die den Schlüssel zu seinem Erfolg darstellten: Verkauf nach Gewicht, hochwertige Produkte, niedrige Gewinnspannen und transparente Preisschilder im Laden. 1860 eröffnete er das erste zweistöckige Supermarkt-Kaufhaus am Boulevard de Sébastopol in Paris. Nach dem Tod von Félix Potin im Jahr 1871 meldeten seine Erben 1886 die Marke Félix Potin an, woraufhin das Unternehmen einen rasanten Aufschwung nahm. Eine Félix-Potin-Fabrik wurde in La Villette errichtet. 1864 erweitert, umfasste sie eine Brennerei und eine Schokoladenfabrik. 1864 öffnete das Geschäft am Boulevard Malesherbes, und 1870 wurde ein Lieferservice eingeführt. Die Pariser Fabriken beschäftigten 1906 bereits 1.800 und 1927 sogar 8.000 Mitarbeiter. Die Firma Félix Potin verfügte damals über 70 Filialen und 10 Fabriken. Ihr Slogan „Félix Potin, man kommt immer wieder!“ prägte eine ganze Generation. 1956 wurden die 1.200 Geschäfte in kleine Supermärkte umgewandelt und 1958 von André Mentzelopoulos (1915–1980) übernommen. Durch mangelnde Führung ging das Unternehmen jedoch zurück und wurde 1996 liquidiert. Heute befinden sich die oberen Stockwerke in einem Monoprix.