Église de la Madeleine, griechischer Tempel, für die Beerdigungen der Prominenten

Die Kirche La Madeleine liegt zwischen der Place de la Concorde und der Opéra Garnier, in der Achse der Rue Royale, mit einer Perspektive bis zum Palais Bourbon, dem Sitz der Nationalversammlung. Ihr Bau begann 1764 und wurde erst 85 Jahre später, 1842, nach zahlreichen Wirren aufgrund der politischen Unruhen, die Frankreich Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts erschütterten, fertiggestellt. 1837 stand sogar die Umwandlung in einen Bahnhof – den ersten von Paris – zur Debatte.
Das ungewöhnliche Aussehen der Kirche La Madeleine Die Kirche La Madeleine ist seit 1915 ein historisches Denkmal.

Ihr Erscheinungsbild, das für ein religiöses Bauwerk ungewöhnlich ist, erinnert an einen griechischen Tempel, ohne Kreuz oder Glockenturm.

Als die Französische Revolution ausbrach, ragten die Säulenschäfte der Kirche La Madeleine bereits bis zur Höhe der Kapitelle empor. Die Arbeiten wurden durch einen Beschluss der Nationalversammlung vom 30. Dezember 1791 vollständig eingestellt. Die Zeit war kaum geeignet für den Bau einer Kirche. Die Bauverwaltung vermietete daraufhin 1794 die Kellerräume an einen Weinhändler und verschiedene Räumlichkeiten innerhalb des Geländes an Handwerker.

1806 äußerte Napoleon den Wunsch, daraus ein Pantheon zum Ruhme seiner Armeen zu machen. Doch nach dem Russlandfeldzug von 1812 gab er das Projekt eines „Tempels des Ruhmes“ auf und kehrte zum ursprünglichen Plan einer Kirche zurück.

Nach Napoleon I. ordnete König Ludwig XVIII. im August 1816 an, dass die neue Kirche ein Sühne- und Gedenkmoment für Ludwig XVI., die Königin Marie-Antoinette und Madame Élisabeth werden sollte, die während der Revolution guillotiniert worden waren. Da die Mittel fehlten, musste Ludwig XVIII. die nahegelegene Expiatory Chapel auf eigene Kosten errichten lassen. Erst das Gesetz von 1834, das Mittel für öffentliche Bauvorhaben zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vorsah, ermöglichte die Vollendung der Arbeiten im Jahr 1842. Das Bauwerk ist 108 Meter lang, 43 Meter breit und 30 Meter hoch und wird von 52 korinthischen Säulen umgeben. Die Kirche wurde am 9. Oktober 1845 von Mgr. Affre, Erzbischof von Paris, geweiht.
Architektur der Kirche Auf der breiten Freitreppe und vor dem Betreten durch die beiden imposanten Bronzetüren kann man die korinthischen Säulen bewundern, die das Gebäude einrahmen. Unter dem Giebel steht die lateinische Inschrift „D.O.M. SVB. INVOC. S. M. MAGDALENAE“ („Domino Optimo Maximo sub invocatione Sanctae Mariae Magdalenae“) – „Dem besten und größten Gott unter dem Schutz der heiligen Maria Magdalena“. Im Inneren finden sich Skulpturen, Gemälde und das berühmte, im neobyzantinischen Stil ausgeführte Mosaik (von Charles-Joseph Lameire). Die große Orgel der Kirche, ein Werk von Aristide Cavaillé-Coll, ist ein Meisterwerk. Das ganze Jahr über werden Tag und Nacht hochwertige Konzerte klassischer Musik aufgeführt.

Beerdigungen von Persönlichkeiten aus der Welt des Showbusiness Frédéric Chopin war vielleicht die erste Persönlichkeit, die für ihre Beerdigung in die Kirche La Madeleine kam. Er lebte in der Nr. 12 der Place Vendôme und starb am 17. Oktober 1849 im Alter von 39 Jahren. Nach einer Trauerfeier in der Kirche La Madeleine, bei der seine berühmte Trauermarsch (in einer Orchesterfassung von Napoléon Reber) und Mozarts Requiem erklangen, wurde er auf dem Friedhof Père-Lachaise beigesetzt. Auch andere Prominente fanden hier ihre letzte Ruhestätte:

Jacques Offenbach 1880
Charles Gounod 1893
Camille Saint-Saëns 1921
Gabriel Fauré 1924
Mistinguett 1956
Édith Piaf 1963
Coco Chanel 1971
Joséphine Baker 1975
Tino Rossi 1983
Thierry Le Luron 1986
Dalida 1987
Marlene Dietrich 1992
Charles Trenet 2001
Gilbert Bécaud 2001
Daniel Toscan du Plantier 2003
Henri Salvador 2008
Patrick Saint-Éloi 2010
King Kester Emeneya 2014
Aldo Ciccolini 2015
Johnny Hallyday 2017
Innen- und Außenrestaurierung der Kirche La Madeleine
Eineinhalb Jahrhunderte nach ihrer Erbauung bedarf die Kirche La Madeleine dringend umfangreicher Restaurierungsarbeiten. Schwere strukturelle Schäden erfordern eine vollständige Sanierung des Gebäudes, und die Verschmutzung – sowohl im Inneren als auch an der Fassade – hat die wunderschönen Statuen, die skulptierten Verzierungen und die Gemälde mit einer schmierigen, schwärzlichen Staubschicht überzogen. Die zahlreichen romantischen Werke – geschaffen von über 60 der bedeutendsten Bildhauer, Maler, Mosaikkünstler, Gießer und Goldschmiede des 19. Jahrhunderts – wirken nur noch matt und trübe. 2011 wurde das Gebäude von der Polizeipräfektur mit einem akuten Einsturzrisiko eingestuft.
Angesichts der Größe des Monuments kann ein umfassendes Restaurierungsprojekt für La Madeleine – geschätzt auf 80 Millionen Euro – nur mit Unterstützung durch Mäzenatentum und zusätzlichen Mitteln der Stadt Paris umgesetzt werden. Deshalb hat die Stiftung *Avenir du Patrimoine à Paris*, die private Initiativen zur Beschleunigung der Restaurierung der Pariser Kirchen fördert, 2015 einen Fonds zur Erhaltung dieses unschätzbaren architektonischen und künstlerischen Erbes ins Leben gerufen: der Kirche La Madeleine.
Geplanter Zeitplan der Restaurierungsarbeiten an La Madeleine: 2020–2022
Die allgemeine Beleuchtung der Kirche La Madeleine ist unzureichend, ungleichmäßig und übermäßig kontrastreich. Dies verstärkt den Eindruck von Veraltetheit. Die neue Beleuchtung wird endlich die Pracht der inneren Raumvolumen erlebbar machen und religiöse sowie kulturelle Veranstaltungen in der Kirche noch einladender gestalten.
Darüber hinaus ist der Zustand der Fassade der Kirche La Madeleine an der Rue Royale alarmierend. Seit Jahrzehnten sind Schutznetze angebracht, um Einsturzgefahr zu minimieren. Ein tiefer Riss zieht sich von der Türsturzhöhe bis zum Giebel der Fassade. Einige Verzierungen, Skulpturen, Marmorplatten und Akantusblätter sind so stark beschädigt, dass sie fast nicht mehr erkennbar sind.
Diese sichtbarste aller Restaurierungen wird das Gesicht von Paris im Vorfeld der Olympischen Spiele 2024 prägen.