Cabaret du Lapin Agile, wo das Publikum am Spektakel teilnimmt

Das Cabaret du Lapin-Agile (Cabaret du Lapin Agile) ist ein seltsam klingender Name für ein Kabarett im 18. Arrondissement von Paris, auf der Butte Montmartre, in der Rue des Saules 22. Es ist erreichbar mit der Métrolinie 12, Station Lamarck - Caulaincourt.
Cabaret du Lapin-Agile: ein Kabarett wie kein anderes
Das legendäre Cabaret du Lapin-Agile, das älteste Kabarett Montmartres, lässt jeden Abend das kulturelle Erbe französischer Lieder und Geschichten wiederaufleben. Kein Laser, kein Mikrofon, keine Beschallungsanlage! Nur Musik und Stimmen in Reinform. Das Publikum trägt zur Stimmung bei und taucht ein in die Atmosphäre vergangener Zeiten, in der jeder dem anderen zuhört und seine Freude teilt.

Heute genießt das Cabaret du Lapin-Agile den Ruf eines der prestigeträchtigsten Namen unseres künstlerischen Erbes. In den Bereichen Malerei, Literatur, Gesang, Poesie, Musik und Chanson verkörpert es das Bild einer französischen und parisischen Tradition, die weltweit geschätzt wird. Sein vielseitiges Repertoire macht es zum bevorzugten Botschafter einer Kultur, die jenseits der Grenzen stets gefragt ist.

Es fördert zudem das Entstehen neuer Talente, die hier ihre Werke präsentieren. Es ist das lebendige Konservatorium des französischen Chansons. Mit einem Team aus Künstlern, begabten Sängern, Liedermachern und Komponisten unterschiedlichster Stile schafft es eine authentische Atmosphäre, in der das Publikum mitsingt und Teil einer einzigartigen Montmartre-Stimmung wird.

Hier gibt es kein Abendessen, nur eine Vorstellung und Getränke. Kommen Sie etwas früher – in der Umgebung gibt es zahlreiche Restaurants!
Der historische Kontext: die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem unteren und oberen Montmartre
Der untere Teil Montmartres wurde Ende des 19. Jahrhunderts zu einem „Viertel der Vergnügungen“. In den 1880er-Jahren beherbergte er zahlreiche Kabaretts (Le Chat Noir, Moulin Rouge), eine bunt gemischte und teils gefährliche Bevölkerung (Prostituierte mit ihren Zuhältern, allerlei Außenseiter).

Der obere Teil Montmartres (die Butte Montmartre) hingegen glich bis 1914 einem Dorf. Berühmt für seine reine Luft, seine Windmühlen und günstigen Wohnungen zog er Künstler an, von denen sich viele dort niederließen. Ab 1890 wurde ihre Zahl beträchtlich.
Ursprung des Cabaret du Lapin-Agile und seines Namens
1795 wurde das Gebäude errichtet. Um 1860 beherbergte es eine Taverne namens „Au Rendez-vous des voleurs“. Später wurde daraus das Lapin Agile und ein Treffpunkt der künstlerischen Bohème des frühen 20. Jahrhunderts.

Gegründet in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, 1913 von Aristide Bruant übernommen, war es einer der bevorzugten Treffpunkte. Von Max Jacob über Pablo Picasso bis zu Roland Dorgelès, Francis Carco, Blaise Cendrars oder Pierre Mac Orlan. Später, in den 1940er- und 1950er-Jahren, besuchten Jean-Roger Caussimon und François Billetdoux das Kabarett. Das Cabaret du Lapin-Agile ist bis heute aktiv – „lebendig wie eh und je“.
Vom Cabaret des Assassins zum Cabaret du Lapin-Agile: eine Abfolge von Besitzern
Die Taverne von 1860 trug ab 1869 den Namen Cabaret des Assassins. An den Wänden hingen nämlich Gravuren berühmter Mörder, von Ravaillac (Mörder König Heinrichs IV.) bis Troppmann (1870 wegen des Mordes an acht Mitgliedern einer Familie verurteilt).

Zwischen 1879 und 1880 bat der damalige Besitzer den Karikaturisten André Gill, der mit dem Ort vertraut war, ein Schild anzufertigen. Gill malte einen Hasen in grünem Gehrock und roter Schärpe, der einem Topf entspringt, der ihm eigentlich zugedacht war. Das Kabarett hieß daraufhin „Au Lapin à Gill“ (Bei Gill, dem Hasen), bald darauf in Lapin Agile (Lebendiger Hase) umbenannt (eine der Erklärungen für den Ursprung des Namens).

Im September 1883 gründete der „Goguettier“, Dichter und Montmartre-Chansonnier Jules Jouy das gesellige „La Soupe et le Bœuf“. Ihr Treffpunkt war das Cabaret des Assassins.

1886 wurde das Kabarett von Adèle Decerf, einer ehemaligen Cancan-Tänzerin (bekannt als „Mutter Adèle“), übernommen. Sie vertrieb ihre zwielichtige Kundschaft und verwandelte es in ein Café-Restaurant mit Konzerten namens „À ma campagne“. Tagsüber besuchten es die Stammgäste des Chat Noir, darunter Charles Cros, Alphonse Allais, Jehan Rictus und auch der Chansonnier Aristide Bruant, der den Maler Toulouse-Lautrec und Courteline mitbrachte. Am Samstagabend und Sonntagmorgen fanden dort Amateurkonzerte statt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verkaufte „Mutter Adèle“ das Kabarett an Berthe Sébource, die mit ihrer Tochter Marguerite Luc – später Ehefrau von Pierre Mac Orlan – einzog. 1903 stießen sie zu Frédéric Gérard (1860–1938), genannt „Papa Frédé“, unter dessen Leitung das Lapin Agile zu einem festen Treffpunkt der künstlerischen Bohème wurde.
Das Lapin Agile zur Zeit von Frédéric Gérard
Frédéric Gérard wurde am 24. Dezember 1860 in Athis-Mons, Seine-et-Oise, südlich von Paris geboren. Lange Zeit zog er mit seinem Esel („Lolo“ genannt) durch die Straßen von Montmartre, verkaufte saisonale Waren, bevor er Besitzer eines Kabaretts namens „Le Zut“ in der Rue Norvins oder Rue Ravignan (je nach Quelle) wurde. Der Betrieb musste nach einer legendären, die ganze Nacht andauernden Schlägerei zwischen Gästen geschlossen werden.

Als er ins Lapin Agile einzog, behielt er seinen Hund, seinen Raben, seine weißen Mäuse und seinen Esel, mit dem er in den Straßen von Montmartre Fisch verkaufte, um sein Einkommen aufzubessern. Als Kabarettkünstler sang „Frédé“ sentimentale Romanzen oder realistische Lieder, begleitet von Cello oder Gitarre. Er bot mittellosen Künstlern regelmäßig Mahlzeiten und Getränke an – im Austausch für ein Lied, ein Gemälde oder ein Gedicht. In dieser Zeit entwickelte sich die besondere Atmosphäre des Lapin Agile.

Aristide Bruant, der als Chansonnier durch Beleidigungen seiner Bewunderer reich geworden war und ein Stammgast des Lapin Agile blieb, freundete sich mit dem Wirt an. 1913, als das Gebäude abgerissen werden sollte, kaufte er es und überließ „Frédé“ die Leitung.
Künstler und Ganoven: Die Gäste des Lapin Agile
Unter „Frédés“ Führung wurde das Lapin Agile für die Bohème von Montmartre schnell zu einer „wahren Kultureinrichtung“. Hier verkehrten Pierre Mac Orlan, der zwei- bis dreimal pro Woche Regimentslieder sang, Roland Dorgelès, der ebenfalls sang – wenn auch selten, da er schlecht sang –, Max Jacob, André Salmon, Paul Fort und andere. Gaston Couté sang nie, endete aber manchmal betrunken und schnarchend unter einem Tisch. Apollinaire rezitierte Gedichte aus *Alcools*. Picasso malte ein Porträt von Marguerite Luc (*Femme à la corneille*, 1904) sowie einen Harlekin, der an der Theke trinkt (*Au Lapin Agile: Arlequin au verre*, 1905). Der Schauspieler Charles Dullin debütierte 1902 mit halluzinierten Rezitationen von Gedichten Baudelaires, Villons, Corbieres oder Laforgues – alles unter dem gelassenen Blick eines riesigen Gips-Christus, geschaffen vom englischen Bildhauer Leon-John Wesley.

Doch es kamen auch Anarchisten der Zeitung *Libertaire* – mit denen das Zusammenleben manchmal angespannt war – und vor allem Ganoven aus den Armenvierteln Montmartres und des Quartier de la Goutte d’Or (östlich des Hügels).

Die Spannung wurde noch größer, als Frédéric Gérard beschloss, diese unerwünschte Kundschaft zu vertreiben. Er wollte „eine Kundschaft von Künstlern“ schaffen – „für ihre Ruhe“. Manche Nächte hallten Schüsse durch die Fenster des Kabaretts, abgefeuert von draußen. Die Gewalt erreichte 1910 ihren Höhepunkt, als einer von Frédéric Gérards Söhnen, Victor („Totor“), hinter der Theke einen Kopfschuss erlitt.
Ein berühmter „Schwindel“: *Und die Sonne versank über der Adria* Diese von Rowdys geprägte, unruhige Zeit dauerte zwei oder drei Jahre. Doch es gab auch andere, weniger gewalttätige Spannungen zwischen den Gästen: Auf der einen Seite die avantgardistischen Künstler, verächtlich als „Picasso-Bande“ bezeichnet (vom Besitzer des Lapin Agile wenig geschätzt), auf der anderen die Traditionalisten um Dorgelès.

1910 inszenierte Dorgelès einen berühmten Scherz. Zusammen mit Freunden reichte er beim Salon des Indépendants ein Gemälde mit dem Titel *Und die Sonne versank über der Adria* ein, angeblich von einem bis dahin unbekannten italienischen Künstler namens Joachim-Raphaël Boronali, der als Theoretiker einer neuen Kunstrichtung („Exzessivismus“) präsentiert wurde. In Wahrheit stammte das *Manifest des Exzessivismus* von Dorgelès selbst, und das Bild war von „Lolo“, dem Esel Frédéric Gérards, gemalt worden – mit einer Bürste, die ihm an den Schwanz gebunden worden war. Der Name des fiktiven Malers, Boronali, war nichts anderes als ein Anagramm von „Aliboron“, dem Spitznamen des Esels „Lolo“.

Der Schwindel war ein voller Erfolg: Das Gemälde wurde „mit ähnlichen Kommentaren bedacht wie andere modernistische Werke“ und zu einem guten Preis verkauft.

Dieser Streich von Dorgelès und seinen Freunden fügt sich in eine typisch montmartresche Tradition ein: die „fumisterie“, bei der „komplexe Scherze mit ungezügelter Fantasie und funkelndem Wortwitz“ ersonnen wurden – eine Praxis, die die heutigen Kabarett-Humoristen mit der Avantgarde der 1900er verbindet. Ein perfektes Beispiel dafür bietet das Werk von Alphonse Allais.
Das Ende einer Epoche: Der Erste Weltkrieg 1914–1918 Diese sorglose Zeit endete am 1. August 1914 mit der Verkündung der Generalmobilmachung gegen Deutschland. „Alles schien mit einem Schlag hinweggefegt“, berichtete Francis Carco. Die Gäste des Lapin Agile wurden immer seltener, die meisten Stammgäste waren an die Front gezogen – viele von ihnen kehrten nicht zurück.

Das Lapin Agile nach dem Ersten Weltkrieg Das Kabarett erlangte nie wieder den Status eines Treffpunkts für Schriftsteller und avantgardistische Künstler. Das Zentrum der Kunst hatte sich nach Montparnasse verlagert. Dennoch behielten die Maler die Gewohnheit bei, jedes Jahr zum Vernissage des Salon d’Automne im Lapin Agile den Abend ausklingen zu lassen.

1922 verkaufte Aristide Bruant das Kabarett an „Paulo“, den Sohn Frédéric Gérards, dem er das Singen beigebracht hatte. Laut André Salmon wurde Paulo zum „besten Interpreten“ der Lieder seines Lehrers. Unter seiner Leitung wurden die „Abende“, die einst locker und improvisiert gewesen waren, nun organisiert. Die Künstler wurden vom neuen Besitzer ausgewählt – und bezahlt. Einige wurden sogar als „Pensionäre“ des Kabaretts aufgenommen.

Der Lapin Agile zählte unter seinen Gästen Pierre Brasseur, Georges Simenon sowie amerikanische Prominente auf Besuch in Paris, wie Rudolph Valentino, Vivien Leigh und Charlie Chaplin.
Das Kabarett Lapin Agile vom Zweiten Weltkrieg bis heute
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Ort, der einst wie schon dreißig Jahre zuvor Künstler anlockte, von den Vierteln Montparnasse in das „Viertel Saint-Germain-des-Prés“ verlegt. Dennoch wurde der Lapin Agile nach 1945 wieder zu einem Treffpunkt und Sprungbrett für Künstler. Hier traf 1950 der Gitarrist Alexandre Lagoya auf Léo Ferré, und 1955 trat Claude Nougaro erstmals auf der Bühne auf – zunächst als Dichter, später als Sänger.
1972 übergab Paulo Gérard die Leitung des Kabaretts an seinen Schwiegersohn Yves Mathieu, der es bis heute besitzt. Noch immer finden dort „Abende“ statt, bei denen Sänger und Schauspieler auftreten.
Der Lapin Agile in der Fiktion
Das Lapin Agile diente als Schauplatz zahlreicher Theaterstücke:

„Picasso au Lapin Agile“, 1993 von Steve Martin geschrieben. Das Stück inszeniert ein Treffen zwischen Albert Einstein und Picasso im Jahr 1904 in diesem Kabarett.
„Au cabaret du Lapin Agile“, ein 2017 von Jean-Bernard Philippot verfasstes Stück. Es erzählt die Legende dieses mythischen Kabaretts.
„Hello Berlin? Hier Paris!“ – In diesem Film dient der Lapin Agile als Kulisse in einer Szene.

Der Lapin Agile in der Malerei
Da so viele Künstler das Lapin Agile frequentierten, inspirierte es unweigerlich ihre Werke:

Pierre Prins (1838–1913), *Le Cabaret du Lapin Agile à Montmartre, Paris*, Musée Carnavalet
Pablo Picasso (1881–1973), *Au Lapin Agile oder Harlekin mit Glas*, 1905, New York, Metropolitan Museum of Art
Élisée Maclet (1881–1962):
*Le Lapin Agile*, Öl auf Leinwand, Standort unbekannt;
*Le Lapin Agile sous la neige*, Öl auf Leinwand, Standort unbekannt.
Maurice Utrillo (1883–1955), *Lapin Agile, rue des Saules sous la neige*, Öl und Gouache auf Holzplatte, Standort unbekannt.
Roman Greco (1904–1955), *Le Lapin Agile*, sechs Ölgemälde auf Leinwand, Standort unbekannt
Gen Paul (1895–1975):
*Au Lapin Agile*, Radierung, Standort unbekannt
*Le Lapin Agile*, Pastell, Standort unbekannt
*Le Lapin Agile sous la neige*, Gouache auf Papier, Standort unbekannt.
Roland Dubuc (1924–1998), *Le Lapin Agile sous la neige*, Öl auf Leinwand, Standort unbekannt
Raphaël Toussaint (geb. 1937), *Le Lapin Agile*, 1987, Standort unbekannt.